Stell dir vor, es ist Weltfrauentag, und keiner merkt es … so ging es mir eigentlich lange. Insgeheim dachte ich: Muss das denn sein? Brauchen wir Frauen wirklich einen eigenen Tag?

Mittlerweile habe ich meine Meinung ein bisserl geändert. Nicht, dass ich Blumen oder Präsente erwarte. Aber vielleicht ist es doch ganz gut, sich gelegentlich daran zu erinnern, was wir Frauen so alles erreicht haben. Naja, wohl eher unsere Vorkämpferinnen der vergangenen Jahrzehnte, oder? All die tollen Frauen, die für mehr Rechte auf die Straße gegangen sind. Die noch mit Vorurteilen zu tun hatten: gegen berufstätige Frauen, alleinerziehende Mütter, weibliche Führungskräfte. Ich meine eine Zeit, als erwachsene Männer einen Schreck bekamen, wenn sie hörten, dass eine Pilotin im Cockpit saß. Oder, dass die Herz-OP von einer Chirurgin durchgeführt werden würde. Hilfe, eine Frau!

Neulich wurde ich gefragt, ob ich weibliche Vorbilder habe. Das brachte mich in Verlegenheit. Vorbilder, hm. Doch dann fielen sie mir ein, diese wackeren Pionierinnen, die gekämpft, gelitten und dann einfach weitergemacht haben. Marie Curie, geboren 1867, Physikerin und Chemikerin, die sogar mehrfach den begehrten Nobelpreis einheimste, obwohl ihr anfangs niemand etwas zutraute. Camille Claudel, Jahrgang 1864, Malerin und Bildhauerin, die immer im Schatten ihres berühmten Geliebten Auguste Rodin blieb. Agatha Christie, 1890 geboren, die ihren untreuen Mann verließ, obwohl diese Trennung sie in finanzielle Nöte stürzte, und später die gewitzte Hobbydetektivin Miss Marple erfand.

Viel wichtiger aber sind möglicherweise die stillen, die unbekannten Heldinnen. Frauen, deren Namen in keinem Geschichtsbuch stehen. Weil sie Dinge leisteten, die immens wichtig waren, aber nie offiziell anerkannt wurden: Sie gingen gegen alle Widerstände ihren eigenen Weg, sie zogen Kinder groß, ertrugen Rückschläge, engagierten sich in ihrem Umfeld, ließen sich nicht einschüchtern. Diesen stillen Heldinnen widme ich den Weltfrauentag. Denn letztlich ernten wir Frauen heute, was unsere älteren „Schwestern“ einst gesät haben. Dafür sollten wir dankbar sein. Und das dürfen wir ruhig einmal feiern.

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