In meinem aktuellen Roman „Ich küss dich tot“ besucht Heldin Annabelle ihre Eltern, die in einem idyllischen bayerischen Bergdorf wohnen. Abgesehen davon, dass Annabelle als Erstes über eine Leiche im Tiefschnee stolpert, liegen allein schon wegen Weihnachten die Nerven blank. Und nicht nur die Heldin fragt sich, wie man den emotionalen Ausnahezustand an Weihnachten vermeidet. Hier kommen meine sieben Tipps für rundum gelungene Festtage.

  1. Probleme vorher klären
    In jeder Familie schwelen Konflikte, das ist völlig normal. An Weihnachten sollen die natürlich hübsch unter den Teppich gekehrt werden: Friede, Freude, Tannenbaum. Keine gute Strategie. Denn auch wenn sich alle mächtig zusammenreißen – irgendwann knallt es dann doch gewaltig. Deshalb mein Tipp: Die Vorweihnachtszeit kann man prima nutzen, um Belastendes aus dem Weg zu räumen. Den Streit mit der Schwiegermutter. Zerwürfnisse mit Geschwistern. Den Dauerclinch mit pubertierenden Kindern. So ein emotionales Großreinemachen verhindert negative Gefühlsausbrüche in der Weihnachtsstube. Nur zu. Augen auf und durch! Dann können alle unbeschwert die Weihnachtstage genießen.
  2. Reisestress vermeiden
    Wer kennt das nicht? Unzählige Menschen verbringen die Weihnachtstage hauptsächlich in Autos, Bussen und Bahnen. Weil man alle besuchen muss: die Eltern, die Schwiegereltern, die Oma, die Tanten und Onkel, die besten Freunde … Uff. Muss man die wirklich alle besuchen? Und sich ein hektisches Hin und Her einhandeln? Nein, muss man nicht. Wie wäre es mit folgender Idee: Man bringt alle Lieben unter einen Hut. Was bedeutet, dass man gemeinsam überlegt, wo gefeiert werden soll. Zusammen, nicht getrennt. Natürlich beteiligen sich alle an den Kosten und an der Arbeit. Das erschafft übrigens auch ein herrliches Wirgefühl. Um den Platz muss man sich keine Sorgen machen, denn wie heißt es so schön? Raum ist in der kleinsten Hütte. Gerade an Weihnachten ist es wunderbar, wenn man zusammenrückt.
  3. Geschenkestress umgehen
    Wir alle kennen das: Schon allein beim Gedanken daran, die endlose Geschenkeliste zu erledigen, brechen wir innerlich zusammen. Das Problem dabei ist oft, dass wir unsere Lieben unbedingt überraschen wollen. Deshalb hasten wir durch die Geschäfte, machen uns einen Kopf, zweifeln und verzweifeln. Da sollte man besser was Neues ausprobieren: Einfach fragen, was der andere sich wirklich wünscht. Und offen sagen, was man bereit ist auszugeben. Okay, da mag dann der Wow-Effekt unterm Tannenbaum ausbleiben, doch dafür genießt man zwei Vorteile: Enttäuschungen sind absolut ausgeschlossen, und die Sinnkrise bei der Wahl des richtigen Geschenks fällt auch weg. Sehr entspannend.
  4. Gemeinsam kochen
    Es gibt wohl keinen Anlass, bei dem so aufwendig gekocht und so ausgiebig gefuttert wird wie an den Weihnachtstagen. Mit dem Nachteil, dass die geplagte Hausfrau (ja, meist sind es immer noch die Frauen, die sich ins Zeug legen!) schon fix und fertig ist, bevor überhaupt der erste Bissen in den Mund wandert. Allein kochen ist nicht nur oft überfordernd, es ist auch ein Stimmungskiller für alle, wenn die Dame des Hauses erschöpft in den Seilen hängt. Doch es gibt ein Gegenprogramm: Diesmal könnte Weihnachten mit einer Küchenkochparty beginnen. Alle schnippeln mit, alle engagieren sich. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass so ein gemeinsam gekochtes Essen viel besser schmeckt und niemand Lampenfieber haben muss, ob es auch gelungen ist.
  5. Perfektionismus abhaken
    Wohl jeder hat von Weihnachten sehr genaue Vorstellungen. Meist datieren sie aus der Kindheit, und die vielen weihnachtlichen Werbespots, die jetzt schon laufen, setzen weitere Standards: So sieht der perfekt geschmückte Baum aus, so die perfekte Festtafel, so und so das perfekte Outfit. Das erzeugt einen immensen Druck. Denn jede noch so tolle Inszenierung wird nie den Grad an Perfektion erlangen, den man im Kopf hatte. Deshalb mein Rat: Locker machen. Weihnachten ist ein Gefühl, keine Kulisse. Wer dauernd die Realität mit unerreichbaren Wunschvorstellungen abgleicht, macht sich unglücklich. Man kann auch mit wenig Aufwand ein Ambiente mit Wohlfühlfaktor herstellen. Am wichtigsten ist doch, dass das Menschliche stimmt, nicht etwa materielle Dinge.
  6. Aktivitäten planen
    Klar, Weihnachten verbringt man am liebsten in den eigenen vier Wänden. Doch die Erlebnisqualität sinkt stetig, wenn man stundenlang auf den Weihnachtsbaum starrt. Also wird der Fernseher angestellt, und die Stimmung ist im Eimer. Da ist es gut, wenn man bewusst ein kleines Programm plant. Vom guten alten Brettspiel über einen Museumsbesuch bis zum Ausflug in ein nahe gelegenes Erholungsgebiet sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, maßgeschneiderte Aktivitäten in die Weihnachtstage einzubauen. Kinder lieben es, etwas Spezielles zu basteln oder ein, zwei Stunden auf einem Indoorspielplatz zu toben. Erwachsene freuen sich über einen Spaziergang mit anschließendem Tee in einem romantischen Lokal. Umso lieber kehrt man dann in die Weihnachtsstube zurück. Wenn man von vornherein für Abwechslung sorgt, können Lethargie und Langeweile gar nicht erst aufkommen.
  7. Gespräche führen
    Hä? Versteht sich das nicht von selbst? Leider nein. Ohnehin sieht es mit der Gesprächskultur in vielen Familien nicht so gut aus, weil im stressigen Alltag halt die Zeit fehlt. Deshalb ist Weihnachten eine gute Gelegenheit, einander wieder intensiver wahrzunehmen. Am besten gelingt das durch vorbereitete Fragen, die wie bei einem Quiz gestellt werden: Was ist Mamas Lieblingsfarbe (und warum)? Was ist der Traumberuf der Tochter (und warum)? Welchen Luxusschlitten würde Papa gern fahren, wenn er Millionär wäre (und warum)? Was für eine Abenteuersportart würde der Sohn gern mal ausprobieren (und warum)? Wie hat Oma Opa kennengelernt (und was hat sie an ihm fasziniert)? Was mag Opa am meisten an Menschen (und warum)? Was wären die drei Wünsche, wenn eine gute Fee vorbeispaziert käme (und warum)? Aus solchen Fragen ergeben sich ganz von selbst spannende Gespräche, an denen auch die Kleinsten Spaß haben.
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