Ihr Lieben,

wie geht es Euch? Seid Ihr gesund? Verbringt Ihr diese schwierige Zeit zuhause? Oder müsst Ihr raus, weil Ihr Jobs habt, in denen kein Home Office möglich ist?

Zunächst einmal möchte ich mich bei allen bedanken, die immer noch aus beruflichen Gründen ihre Wohnungen verlassen: um zu pflegen, zu versorgen oder das Lebensnotwendige zu verkaufen. Wie hart das ist, übrigens auch in normalen Zeiten, kann ich nur ahnen. Wer zuhause bleibt, steht ebenfalls vor großen Herausforderungen. Eine meiner Nachbarinnen ist jetzt mit drei kleinen Kindern daheim und muss irgendwie damit klarkommen. Eine andere Nachbarin bangt um ihre 89jährige Mutter, die sie momentan nicht besuchen darf. Ich denke auch an die vielen Singles, seien sie alt oder jung, denen jetzt die Decke auf den Kopf fällt.

Ja, wir alle vermissen die Nähe jener Menschen, die uns ans Herz gewachsen sind. Das geht mir genauso. Mit einem tiefen Seufzer denke ich zum Beispiel an Ostern – weil es für mich wie Weihnachten ist, nur entspannter. Kein Geschenkestress, dafür gemeinsame Frühlingsspaziergänge. Kein aufwändiger Festtagsbraten, dafür ein locker-leichter Osterbrunch, für den man nicht stundenlang in der Küche stehen muss. Auch die Erwartungen sind nicht so hoch. Weihnachten stehen wir ja immer unter dem Einfluss eines emotionalen Hochdruckgebiets, Ostern nehmen wir’s lockerer.

Hach, ich werde Ostern vermissen. Sogar die kleinen Macken meiner Lieben werden mir fehlen. Sicher, es nervt, wenn mir meine Mutter zum xten Mal erklärt, wie man die perfekte Marmelade kocht (nie, nie wird meine handgerührte Erdbeermarmelade an ihre heranreichen). Genauso nervt es, wenn ihr Lebensgefährte mal wieder demonstrativ die Rosinen aus dem Hefezopf pult (er könnte auch stumm zum Marmorkuchen greifen, aber hey, das wäre viel zu langweilig). Beim Osterbrunch würde meine beste Freundin auch ein weiteres Mal darauf hinweisen, dass Honig nicht vegan ist und selbst Bioeier einer Kindesentführung gleichkommen (muss ich erwähnen, dass sie heimlich, still und leise meinen Würstchenvorrat an ihren Mops verfüttert?).

Ja, all das nervt. Und all das ist so wunderbar. Denn im Gegensatz zur Erdbeermarmelade meiner Mutter sind Menschen nun mal nicht perfekt. Wir können sie lieben – nicht obwohl, sondern weil sie ihre Macken haben. Mittlerweile betrachte ich all diese kleinen Ecken und Kanten als  mein ganz persönliches Unterhaltungsprogramm. Was zählt, ist doch etwas ganz anderes: dass uns viel, viel mehr verbindet als trennt.

Familie und Freunde sind ein kostbarer Schatz. Weil das so ist, sollten wir sie wertschätzen, mit allem, was sie ausmacht. Selten ist mir das so eindringlich bewusst geworden wie in den vergangenen Tagen. Nächstes Jahr werden wir Ostern dann wieder mit allem Drumrum feiern. Ich freue mich schon auf die spitzen Kommentare meiner Mutter und die Rosinenpul-Aktion ihres Lebensgefährten. Und der Mops meiner besten Freundin bekommt eine große Extraportion Würstchen, mit roter Schleife, versprochen.

Lasst uns nach vorn schauen. Verliert nicht den Mut! Haltet Kontakt mit Euren Lieben! Jetzt ist die Gelegenheit, endlich mal nachzuholen, was man im Alltag immer aufschiebt: die Eltern anrufen; einen verschwitzten Geburtstagsgruß nachreichen; der lang vernachlässigten Freundin ein paar Zeilen per WhatsApp schreiben. Solche kleinen Zeichen sind jetzt umso wichtiger.

Ich denke an Euch – bleibt gesund!

Eure Ellen

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