Glückwunsch, ihr Lieben! Heute ist UNSER Tag! Yeah-i! Paaarty! Ähem, Party? Oje, ich höre es schon, dieses „Hm, wieso denn? Hab ich da was verpasst?“.

Nun, es gibt den Tag des deutschen Schlagers, den Tag des Zahnarztes, der offenen Töpferei, der gesunden Ernährung. Einen Weltschlaftag, einen Weltglückstag, einen internationalen Tag der Poesie. Man könnte quasi jeden Tag was anderes feiern, wenn man wollte. Herrlich. Und damit keiner, aber auch wirklich keiner den Muttertag im Mai vergisst, legen sich die Werber bald wieder ins Zeug. Gerade haben sie uns zum Valentinstag mit Spots für Blumen, Pralinen, Parfums, Schmuck überschüttet, demnächst laufen dann wieder die gleichen Spots – nur, dass die küssenden Paare durch strahlende Mütter ausgetauscht wurden.

Moment mal. Wie war das jetzt noch mit UNSEREM Tag? Tja, der heutige 8. März scheint irgendwie ein bisschen untergegangen zu sein. Hallo? Weltfrauentag? Da geht es auffällig unauffällig zu. Jedenfalls kenne ich keine Frau, die an diesem Tag erlesen beglückt würde. Okay, in den Medien steht hier und da etwas über Frauenrechte, auch über die #metoo-Debatte, ansonsten – Fehlanzeige. Vielleicht liegt es ja daran, dass der Weltfrauentag eine Erfindung sozialistischer Frauenrechtlerinnen war, also ein politisches Statement. In der DDR gab’s deshalb für jede Frau eine Rose. In Ländern wie Aserbaidschan, Uganda und Vietnam ist der 8. März sogar ein gesetzlicher Feiertag.

Ehrlich, ich finde es ungeheuer wichtig, über Frauenrechte zu reden, über die Chancen von Mädchen in der Männerwelt, über Gewalt gegen Frauen, über Diskriminierung. Allerdings nicht nur am 8. März, sondern 365 Tage im Jahr. Lassen wir die Politik deshalb mal beiseite. Fragen wir uns doch stattdessen, was wir Frauen gern mit diesem Tag machen würden. So ganz privat, meine ich.

Mein Vorschlag: Wäre es nicht ein tolles Datum, um einfach mal uns selbst zu feiern? Nach meiner Erfahrung gibt es nämlich keine menschliche Spezies, die so selbstkritisch ist wie wir Frauen. Es läuft doch so: Die meisten Männer marschieren beneidenswert selbstbewusst durch die Gegend. Sie halten sich für die Größten im Job, finden sich ungeheuer attraktiv und sind selbst dann noch stolz auf ihre Hammerfigur, wenn der Bierbauch bis zu den Knien hängt. Aber Frauen? Die haben so was wie den eingebauten Selbstzweifel. Keine Ahnung, warum, doch so ist es halt.

Von Figurproblemen, echten und eingebildeten, will ich gar nicht erst reden. Auch ich schaue ja dauernd panisch in den Spiegel, weil sich das Hüftgold wie von selbst vermehrt. Doch es geht noch weiter. Frauen fragen sich dauernd: Reicht es? Bin ich hübsch genug, talentiert genug? Bin ich eine gute Mutter, eine perfekte Partnerin? Bin ich wirklich fit in meinem Job? Ja, auch im Job sind Selbstzweifel unsere treuesten Begleiter. Das merken wir spätestens, wenn eine Beförderung ansteht. Schaffe ich das? Steht mir das überhaupt zu? Oder sollte ich mich nicht lieber mit dem begnügen, was ich mir in schwachen Momenten zutraue?

Jaja, mit solchen Fragen schlagen wir uns herum. Im besten Fall haben wir richtig gute Freundinnen, die uns hin und wieder den Rücken stärken. Von Männern hingegen hören wir eher spärliches Lob. Komplimente, ja, durchaus, wenn’s gerade gut läuft, doch regelmäßige Lobeshymnen werden da nicht geschmettert. Deshalb finde ich: Selbst ist die Frau! Wir müssen uns ja nicht tagtäglich rund um die Uhr selbst belobhudeln. Aber einmal im Jahr, wäre das nicht genial? Einfach aufwachen, in den Spiegel schauen und denken: Guten Morgen, wunderschöne Göttin. Durch den Tag schweben mit dem sicheren Gefühl: Hey, du machst alles richtig, du hast es drauf, du kannst das! Ins Bett gehen mit der Gewissheit: Respekt, wie du alles meisterst. Weiter so!

Nebenbei gesagt, verdienen professionelle Coaches ein Vermögen damit, unsicheren, zweifelnden Frauen genau diese Sätze einzutrichtern. Können wir doch auch selbst, oder? Heute, am 8. März. Vielleicht sogar freinehmen, die Kinder zur Oma bringen und einen Wellnesstag einlegen, damit es wirklich unser Tag wird. Oder ein Treffen mit den besten Freundinnen arrangieren, bei dem wir uns gegenseitig erzählen, was wir aneinander mögen, welche Eigenschaften wir aneinander schätzen. Das wär doch was. Ein Tag, an dem die ewig-weiblichen Zweifel schweigen. An dem wir nicht fragen, was uns alles fehlt (Die Traumfigur! Der Traummann! Der Traumjob! Die Traumfamilie!). An dem wir uns nur darüber freuen, wer wir sind, was wir können, was wir erreicht haben. Was hält uns davon ab?

Heute sind wir dran. Aber sowas von! Probieren wir es aus. Und wenn dann mal wieder eine dunkle Stunde kommt, in der die lästigen Zweifel um die Ecke schauen, können wir uns immer an den 8. März erinnern. An diesen Traumtag, an dem wir uns so richtig gut gefühlt haben. Mit was? Mit Recht!

Jetzt diesen Beitrag teilen