Ihr Lieben, der Mai ist da! Der Wonnemonat, in dem die Hormone Tango tanzen und in dem auch die meisten Hochzeiten gefeiert werden. Interessiert euch nicht so doll? Hm. Könnte daran liegen, dass ihr fest vergeben seid. Oder ihr habt die vierzig überschritten, surft seit längerem im Singlemodus und denkt, der Zug sei sowieso abgefahren.

Ähnlich ergeht es Bea, der Heldin meines neuen Buchs „Wie heiß ist das denn?“. Eigentlich ist Bea ganz gut beieinander mit ihren gerade mal vierzig. Doch der Lack ist ab, findet sie: vom Spiegel gemobbt (zack, wieder eine neue Falte), von der Waage ignoriert (ohne Lesebrille erkennt sie keine Zahlen), von ersten Alterserscheinungen geplagt (Rückenschmerzen, schwache Blase, Stimmungsschwankungen). Knackig ist was anderes. Hinzu kommen Beas zwiespältige Erfahrungen mit gleichaltrigen Männern. Die wollen sich nämlich nicht mehr festlegen. Nur das Sahnehäubchen genießen, nicht den ganzen Kuchen. Sprich: ein bisschen scharfer Sex, okay, aber bloß keine echte Beziehung.

Das bedeutet hohe Verletzungsgefahr, denn das weibliche Herz will mehr. Viel mehr: Nähe, Verlässlichkeit, Loyalität. Auch Beas Herz sehnt sich danach. Vergeblich. Deshalb ist sie ganz schön neben der Spur: Soll das etwa ewig so weiterlaufen? Ex und hopp? Beziehungsweise: Erst hopphopp in die Kiste, und wenig später ist der Lover ein Ex? Nachdem wieder einmal eine halb gare Affäre in die Grütze gegangen ist, beschließt Bea deshalb einen radikalen Schnitt: ein Männermoratorium. Zwei, drei Jahre ganz ohne Kerle! Sie will herausfinden, wer sie ist und was sie wirklich will, damit sie nicht mit Hurra in die nächste Affäre und in den nächsten Liebeskummer schlittert. Ob Bea das durchhält – lasst euch überraschen!

Und im wahren Leben? Ich sag euch was aus eigener Erfahrung: Dating 40plus ist der Hammer. Weil die üblichen Programme durch sind. Dieses Der-oder-Keiner. Dieses Mach-mich-gefälligst-glücklich. Dieses komplette Mann-Kind-love-forever-Ding. Frauen über vierzig sind heute ganz anders drauf als in früheren Generationen. Sie sind selbstbewusster, weil sie wissen, wer sie sind und was sie können. Sie brauchen keinen Typen, der ihnen sagt, wo’s lang geht. Meist ist auch die Familienplanung abgeschlossen. Also Schluss mit der Rasterfahndung nach einem Papi in spe. Jetzt ist Entspannung angesagt. Lockermachen. Frauen im besten Alter suchen nicht mehr den Mann fürs Leben, sondern einen Mann zum Leben. Das heißt: lange Gespräche, gutes Essen, Tanzen, Sport, Spazierengehen, Musik, Kino, Couchpotato – zu zweit. Das alles macht viel mehr Spaß, wenn der Druck weg ist, dass man unbedingt Mr. Perfect finden muss. Grandios, oder?

Moment mal, höre ich euch protestieren, was ist mit dem Knackigkeitsverlust? Hab ich als reiferes Semester überhaupt eine Chance an der Datingfront? Und selbst wenn‘s klappt mit dem Date – ist es nicht oberpeinlich, wenn in der ersten Nacht zehn Kilo Übergewicht entblättert werden?

Verständlich, dass man Skrupel hegt, wenn der Körper nicht mehr straff und makellos wie ein Supermarktapfel ist. Doch ich sag’s mal kernig mit Beas Mutter Oma Rosi: Solange zwei Brüste in der Nähe sind, achtet kein Mann auf Speckrollen. Jepp. Sie hat recht, die Oma Rosi. Nach meiner Beobachtung kommt es irgendwann nicht mehr auf den perfekten Body an, sondern auf ein gutes Körpergefühl. Eine Frau, die ihren Frieden mit sich gemacht hat und ihren Körper mag, wird immer attraktiv rüberkommen. Sie wird graziös eine Straße entlanggehen, ausgelassen tanzen und hingebungsvoll im Bett sein. Darauf stehen Männer. Nicht auf sterile Wäschekatalogschönheiten.

Also: Falls ihr Single und über vierzig seid, traut euch einfach. Haltet die Augen offen, flirtet, habt Spaß. Tut, worauf ihr Lust habt, entdeckt die Lust in euch, die ihr mit jemandem teilen könnt. Wer weiß – vielleicht findet ihr einen Mann zum Leben, und am Ende wird ein Mann fürs Leben draus?

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Glück im Wonnemonat Mai!

Eure Ellen

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