Kennt ihr das? Nach der Schule seid ihr von Zuhause weggegangen, in die große weite Welt hinaus. Oder ihr wohnt jetzt der Liebe wegen ganz woanders. Doch regelmäßig kommt ihr zurück. Für eine Familienfeier, ein Klassentreffen, vielleicht auch einfach so. Wie fühlt sich das an? Vertraut? Fremd? Oder weckt das eher gemischte Gefühle?

So nah und doch so fern – das denke ich jedes Mal, wenn ich meine Heimat besuche. Es fängt schon damit an, dass ich wieder in meinem Bett von einst schlafe, denn meine Eltern haben das Kinderzimmer zum Gästezimmer umfunktioniert. Verwundert betrachte ich die Poster, die ich als Teenager aufgehängt habe, nehme den süßen Teddy in die Hand, ohne den ich als Kind nicht einschlafen konnte. Tauche in mein altes Leben ein. Und, witzigerweise, werde ich auch wieder ein bisschen das Kind von damals. Wie ich das genieße!

Wir alle werden ja nicht nur von selber erwachsen, wir müssen auch erwachsen rüberkommen. Vor allem im Job, aber auch sonst so. Daheim darf ich ein wenig loslassen, mich lockermachen. Lasse mich von meiner Mutter mit dem Lieblingskuchen verwöhnen. Albere mit meinen alten Klassenkameraden rum, als wäre ich wieder siebzehn. Weiß aber auch, dass der Tag kommen wird, an dem ich Verantwortung für meine Eltern übernehmen muss. Irgendwie komisch. Sofort gehen die Gedanken auf die Reise. Könnte ich hier wieder leben? Wie habe ich mich verändert seit damals? Was hat sich Zuhause verändert?

In Zeiten von Mobilität, Flexibilität und neumodischen „Job-Nomaden“ sind viele von solchen Fragen bewegt. Auch Annabelle, die Heldin meines neuen Romans „Ich küss dich tot“, den ihr ab November lesen könnt. Hotelmanagerin Annabelle ist gerade auf dem Sprung von New York nach Singapur, als sie einen Hilferuf ihrer Eltern bekommt – ihr Papa ist schwer krank. Passt gar nicht. Aber passt es jemals? So begibt sie sich auf die beschwerliche Reise in das winzige verschlafene Bergbauerndorf in den Hochalpen, wo sie aufgewachsen ist.

Tja, ich will nicht zu viel verraten. Doch eins steht mal fest: Es ist nicht alles eitel Sonnenschein in dem kleinen Dorf. Da gibt es Intrigen, Familienfehden, sogar mörderische Vorkommnisse. Annabelle macht jedoch auch eine andere, sehr spannende Erfahrung: Sie wird sich ihrer Wurzeln bewusst. Denn mit dem erwachsenen Blick der Weitgereisten erlebt sie ihre Familie neu, ihre alten Freunde, ihr Heimatdorf. Am Ende findet sie zu sich selber. Wie heißt es noch so schön? Ohne Wurzeln keine Flügel. Wir alle brauchen die „Erdung“, die in der Herkunft liegt. Mit allem Schönen und Schwierigen, was dazugehört.

Wie seht ihr das? Ich würde mich freuen, wenn ihr mir darüber schreibt.

Alles Liebe, eure Ellen

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