Verliebt, verkracht, getrennt? Oje. Wir alle sehnen uns doch nach einer Liebesbeziehung, die hält. Felsenfest. Doch oft folgt auf den ersten Rausch der deprimierende Kater. In meinem neuen Roman „Wie heiß ist das denn?“ geht es unter anderem darum, wie aus Freundschaft Liebe werden kann. Und warum es besser sein kann, befreundet zu sein, bevor das große Brausepulverherzprickeln losgeht. Was sind die Vorteile?

  1. Schokoladenseite
    Wenn die Liebe wie ein Blitz einschlägt, präsentieren wir uns von unserer allerbesten Seite. Schließlich wollen wir charmant, witzig und sexy rüberkommen. Im Alltag folgt dann häufig die große Ernüchterung. Ähem, na ja, sooo charmant, witzig und sexy ist das Objekt der Begierde dann ja doch nicht. Aus Ernüchterung kann leicht Enttäuschung werden, baldige Trennung nicht ausgeschlossen.
  2. Macken
    Am Anfang fällt es nicht so auf: Jeder hat kleine Macken, die heftig nerven können. Rustikales Fluchen beim Autofahren, Schmatzen beim Essen, ungeniertes Popeln beim Fernsehabend. Gruselig. Oder die Angewohnheit, immer das Haar in der Suppe zu finden, die schönsten Momente durch Gemecker zu crashen. Hätte man das doch bloß vorher gewusst … Dafür ist es leider zu spät, wenn man sich erst mal Hals über Kopf verknallt hat.
  3. Vorlieben
    Sie liebt romantische Filme, er begeistert sich für Actionschocker. Sie mag Helene Fischer, er dreht bei Heavy Metal ab. Sie brezelt sich gern mal auf, er stampft mit dem immer gleichen Jeans-Holzhackerhemd-Outfit durch die Gegend. Passt irgendwie nicht zusammen? Passt gar nicht zusammen! Freundschaften hingegen entstehen durch Gemeinsamkeiten, und die schweißen auch Liebende dauerhaft zusammen.
  4. Ordnung
    Der größte Beziehungszoff, sagen Statistiker, entbrennt durch unterschiedliche Vorstellungen von Ordnungsliebe. Wenn müffelnde Socken im Schlafzimmer und Haare im Waschbecken liegen, ist das für den einen normal, für den anderen ein No-Go. Schweres Verliebtsein täuscht darüber hinweg. Umso böser ist das Erwachen im Alltag. Der Teufel steckt immer im Detail, und man sollte diese Teufelchen kennen, bevor man sich näherkommt.
  5. Geld
    Auch so ein Streit-Dauerbrenner. Bei engen Freunden weiß man ja schon, ob jemand sparsam ist oder gern das Geld aus dem Fenster schmeißt. Bei der neuen Liebe kommt das erst langsam raus. Und dann geht das Gezeter los: Man wirft sich gegenseitig Geiz beziehungsweise Verschwendungssucht vor. Beim Geld hört die Freundschaft auf, da kann man noch Abstand nehmen. In Liebesbeziehungen hängt man schon tief drin. Autsch. Riecht nach Trennung.
  6. Freizeitgestaltung
    Sie geht zum Yoga, er stemmt Eisen in der Muckibude. Sie mag Konzertbesuche, er verbringt das Wochenende auf dem Fußballplatz. Jaaa, kann klappen, mit sehr viel Toleranz. Doch irgendwann lebt man aneinander vorbei, weil die gemeinsame Quality Time fehlt. Kann einem bei gleichgesinnten Freunden nicht passieren. Genial wäre es, wenn man sich bei einer Freizeitaktivität kennenlernt, auf die beide stehen. Dann ist die gemeinsame Quality Time vorprogrammiert.
  7. Urlaub
    Ans Meer oder in die Berge? Aktivurlaub oder gemütlich abhängen? Anfangs macht man noch Kompromisse, aber irgendwann knallt’s. Einer ist immer unzufrieden, wenn er dauernd Zugeständnisse machen muss. Wenn man dann erst mal getrennt in den Urlaub fährt, steht die Tür fürs Fremdflirten sperrangelweit offen. Besser wäre es, man wüsste so was vorher, weil man sich schon freundschaftlich kennt.
  8. Kinder
    Bis über beide Ohren verliebt? Da fällt man doch nicht gleich mit der Tür ins Haus und fragt nach der Familiengründung. Man tritt ja auch nicht zum ersten Date mit Kopfkissen und Verlobungsring an. Leider stellt sich hinterher oft heraus, dass es völlig unterschiedliche Vorstellungen von Familienplanung gibt. Das sorgt für handfeste Konflikte. In einer Freundschaft dagegen spricht man ganz beiläufig darüber, welche Einstellungen zu Kindern vorliegen.
  9. Familie
    Wie heißt es doch so schön? Das dicke Ende kommt bestimmt. Wenn die Hormone Tango tanzen, macht sich kein Mensch Gedanken über den Anhang des Traumprinzen oder der Traumprinzessin. Oha. Eines Tages dann macht man Bekanntschaft mit den Eltern und Geschwistern. Kann nett sein, aber auch die totale Katastrophe. Genial ist es, wenn man schon vor den großen Gefühlen weiß, was einen erwartet. Und eventuell Reißaus nimmt.
  10. Krisenkompetenz
    Jede Beziehung ist Belastungstests unterworfen. Krankheit, Jobverlust, Geldsorgen – die Liste ist lang. Solange alles eitel Sonnenschein war, hatte man einen super Partner. Doch wie reagiert er auf Krisen? Da kann es gewaltig scheppern, weil es an Besonnenheit und Loyalität fehlt. Menschliche Qualitäten kann man besser abchecken, wenn’s vorerst nur Freundschaft ist. Und kann sich dann darauf verlassen, dass man auch Krisen gemeinsam meistern wird.
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